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Freitag, 30. november 2007

Ein 18-Jähriger aus Neuseeland ist unter dem Verdacht festgenommen worden, mit einem Computervirus mehr als eine Million Rechner beschädigt und zusammen mit anderen 20 Millionen Dollar (rund 13,6 Millionen Euro) gestohlen zu haben. Der Chef der neuseeländischen Polizei für Internetkriminalität, Maarten Kleinjtes, teilte in Wellington mit, der Junge aus dem Norden des Landes habe einen "sehr ausgeklügelten" Virus entwickelt, der von den Abwehrprogrammen der Rechner nicht entdeckt worden sei.

Ein ganzer Ring von Internetkriminellen habe das zerstörerische Programm benutzt erklärte Keinjtes weiter. Es habe ihnen Zugang zu Benutzerkennungen und Passwörtern sowie Kreditkarteninformationen ihrer Opfer ermöglicht.

Das Netzwerk von Cyber-Kriminellen sei in Zusammenarbeit mit der US-Bundespolizei FBI aufgespürt worden, sagte Kleinjtes. Angefangen hatten die Ermittlungen nach einer Virus-Attacke, die 50.000 Computer betraf und den zentralen Server der Universität von Pennsylvania in den USA zerstört hatte. Der junge Mann, dem bis zu zehn Jahre Gefängnis drohten, sei bislang noch nicht angeklagt worden. Er habe eingewilligt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten.

von TFI-Digital
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Donnerstag, 29. november 2007
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Kritik von Bundespräsident Horst Köhler an zu hohen Managergehältern ausdrücklich begrüßt. In der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitagausgabe) nannte es DGB-Chef Michael Sommer «außerordentlich hilfreich», dass Köhler die Einkommensschere in Deutschland als gesellschaftliche Fehlentwicklung kritisiert habe. Er forderte von der Wirtschaft, freiwillig Obergrenzen für die Bezüge der Vorstandsmitglieder zu vereinbaren, die in angemessener Relation etwa zum jeweiligen Facharbeiterlohn stünden.
Die Beschäftigten hätten zu Recht kein Verständnis dafür, dass die ohnehin häufig horrenden Managerbezüge oft genug zweistellig steigen, während ihre eigenen Reallöhne in den vergangenen Jahren stagnierten, sagte der DGB-Chef. Diese ungleiche Einkommensverteilung habe Ausmaße angenommen, die auch durch eine von der großen Koalition geplante Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer «kaum noch korrigiert werden» könne.
von TFI-Digital
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Dienstag, 27. november 2007

Angst vor dem T€uro!

Die Verbraucherpreise sind in Deutschland auf ein 13-Jahres-Hoch geklettert – die Inflationsrate stieg laut Statistischem Bundesamt auf drei Prozent. Jetzt zittert die ganze Republik wieder vor dem „T€uro“.

Schuld daran sind die Preisexplosion beim Heizöl und die gestiegenen Lebensmittelkosten.

Verbraucher mussten demnach in Sachsen im Vergleich zum Vorjahr 3,4 Prozent mehr für Waren und Dienstleistungen ausgeben.

In Nordrhein-Westfalen lag der Preisanstieg bei 3,2 Prozent. Bayern und Brandenburg meldeten eine Inflationsrate von 3,1 Prozent.

Preistreiber waren vor allem Heizöl und Kraftstoffe.

Aber auch Milchprodukte wurden teurer: Preisanstiege von bis zu 27 Prozent rissen Löcher in die Geldbörsen.

Die bisher für 2008 prognostizierte Inflationsrate von rund 2 Prozent sei zwar „noch im Bereich des Möglichen, aber weniger wahrscheinlich geworden“.

Experten wie Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung wurden von der Dynamik der Entwicklung überrascht.

Die günstigen Preise der vergangenen Jahre würden damit der Vergangenheit angehören, so Döhrn.

Schuld seien die boomenden Nachfragen in den Schwellenländern wie China und Indien.

Experten warnen jedoch vor allzu großer Panik.

In diesem Jahr habe die Mehrwertsteuererhöhung die Inflationsrate angeheizt, im kommenden Jahr falle dieser Effekt weg.

von TFI-Digital
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Dienstag, 27. november 2007

BamS: Laut einer Umfrage in BILD am SONNTAG sagt die große Mehrheit der Bürger: Es ist wichtiger, in die Zukunft zu investieren, als das Arbeitslosengeld länger auszuzahlen. Wie sehen Sie das, Herr Steinbrück?

PEER STEINBRÜCK: Für mich ist das keine große Überraschung! Auch wenn viele Politiker das kaum glauben: Die Mehrheit der Bürger will nicht, dass ihren Kindern und Enkeln eine Staatsverschuldung von 1500 Milliarden Euro hinterlassen wird. Und die Bürger wollen, dass mit dem Geld, das wir haben, Wohlstand und soziale Wohlfahrt in Deutschland gesichert bleiben.

Was bedeutet das?

Wir müssen in Zukunftsbereiche investieren. Bildung spielt da die zentrale Rolle. Danach kommt lange nichts. Der Erfolg des Sozialstaats bemisst sich nicht in erster Linie daran, wie viel Sozialleistungen gezahlt werden. Wichtiger ist doch, dass die Menschen gar nicht erst auf solche Leistungen angewiesen sind.

Welche gute Botschaft wird vom SPD-Parteitag kommende Woche für diejenigen ausgehen, die einer geregelten Arbeit nachgehen und trotzdem immer weniger Geld in der Tasche haben?

Dass wir trotz des unglaublichen Drucks auf unseren Staat in Zeiten der Globalisierung in der Lage sind, unser Gemeinwesen zusammen-zuhalten. Auch wenn wir nicht mehr jedem versprechen können, dass er Jahr für Jahr mehr im Portemonnaie haben wird, bin ich sehr dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger vom Wirtschaftswachstum profitieren und es vor allem im Aufschwung zu einer Teilhabe auch durch Lohnsteigerungen kommt.

Kurt Beck setzt seinen fulminanten Kurswechsel beim Arbeitslosengeld I gerade in der SPD durch. Wie bewerten Sie das?

Es kann unterschiedliche Wahrnehmungen von Realitäten geben. Da ist zum einen die Wirklichkeit auf dem Arbeitsmarkt. Und da fahren wir Erfolge ein: Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen ist im vergangenen Jahr um 200 000 gesunken. Kurt Beck hat dagegen eine andere Realität aufgegriffen: Viele leben in der subjektiven Angst vor dem Absturz in Hartz IV. Kurt Beck als Parteichef darf da sagen: Das kann uns als SPD nicht egal sein.

Kann denn ein Mann wie Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering den Kurs-wechsel politisch überleben?

Er ist eine Institution in der SPD, diesen Charakter wird er nicht verlieren. Für ihn und für mich ist aber entscheidend: Wir dürfen nicht hinter die Agenda 2010 zurückfallen, und wir wollen nicht wieder Türen öffnen für eine Frühverrentung älterer Arbeitnehmer. Und wir müssen auch von den Menschen etwas einfordern. Wichtiger als Menschen in der Arbeitslosigkeit zu finanzieren, ist es, ihre Aktivierung für den Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Viele in Ihrer Partei wollen die Agenda am liebsten ganz zurückdrehen.

In meinen Augen darf da gar nichts zurückgedreht werden. Wir können doch nicht zurück ins Jahr 2003. Wir würden uns zweimal bestrafen: Bei der Durchsetzung der Agenda haben wir viele Schmerzen erlebt und Wahlen verloren. Und jetzt, wo die Agenda positiv wirkt, sagen wir: Das bringt alles nichts? Sollte jemand eine solche Rückkehr zu alten Ufern wollen, kann ich nur sagen: Das kostet uns die Regierungsfähigkeit.

Aber Kurt Beck hat sich de facto doch schon durchgesetzt – am Montag wird der Parteivorstand ihm mit großer Mehrheit recht geben. Sind Sie als Minister künftig nur noch das ausführende Organ des Parteivorsitzenden?

Nein. In der SPD haben wir eine Art Dreigestirn. Die Regierungsvertreter mit dem Vizekanzler, die Bundestagsfraktion und die Partei. Da hat die CDU einen Platzvorteil, denn sie hat mit der Kanzlerin und Parteivorsitzenden alle Macht in einer Person vereint. Für das Wohl und Wehe der SPD ist entscheidend, dass unser Dreigestirn koordiniert wird und zu einer Arbeitsteilung und einem Rollenverständnis kommt, die uns stärker machen.

Und da können Sie zulegen . . .

Auf jeden Fall. Da ist aus den letzten Monaten Selbstkritik gerechtfertigt. Jetzt müssen wir Brücken bauen. Es darf nicht zu einem Showdown wie im Western kommen. Die SPD kann weder eine Schwächung ihres Parteivorsitzenden in Kauf nehmen, noch kann sie auf eine zentrale Person wie Müntefering verzichten, wenn sie regierungsfähig bleiben will

von TFI-Digital
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Montag, 26. november 2007

Hamburg/New York (AP) Der Ölpreis ist am Montag wieder über 99 Dollar gestiegen. Eine Kältewelle in den USA trieb den Preis im Computerhandel auf zeitweise 99,11 Dollar für ein Barrel Rohöl (159 Liter), ehe der Preis wieder zurückging. Damit ist der vergangene Woche erzielte Rekord von 99,29 Dollar wieder in Sicht.

In Deutschland war der Preis für Heizöl vergangene Woche mit 74 Cent (Abnahme 3.000 Liter) auf einen Rekord geklettert. Die kalte Jahreszeit lässt den Heizölpreis oft im Herbst steigen. Weil New York der wichtigste weltweite Markt im Ölhandel ist, haben Wetterentwicklungen in den USA einen besonders starken Einfluss auf den Preis.

Von August bis November ist der Ölpreis um 43 Prozent gestiegen. An den Ölmärkten warten die Händler nun auf die nächste OPEC-Konferenz am 5. Dezember in Abu Dhabi. Dort könnte eine mögliche Fördererhöhung besprochen werden. Zuletzt wurde die OPEC-Förderung zum 1. November um 500.000 Barrel angehoben.

von TFI-Digital
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Montag, 26. november 2007

Plötzlich sind alle Augen auf ihn gerichtet: In der VW-Affäre soll Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch mehr gewusst haben, als bislang bekannt war. Die Staatsanwaltschaft hat offenbar einen Tip bekommen. Piëch war zu Zeiten der VW-Affäre Vorstandschef.
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Es kommt selten vor, dass die wohlüberlegte Dramaturgie eines großen Strafverfahrens bereits am zweiten Verhandlungstag aus den Fugen gerät. Genau das ist jetzt im Braunschweiger VW-Lustreisenprozess gegen Ex-Betriebsratsboss Klaus Volkert und den ehemaligen Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer passiert: Überraschend müssen neue Zeugen gehört werden, der einst geplante Ablauf ist damit Makulatur. „Bringen Sie das nächste Mal die Terminkalender mit“, rief die Vorsitzende Richterin Gerstin Dreyer den Verteidigern zu. Mit einer Verkündung des Urteils am 24. Januar rechnet kaum noch ein Prozessbeobachter.
 
Für die Veränderung der Verfahrensführung sorgt einer, der überhaupt nicht angeklagt ist: Ferdinand Piëch, ehemals Vorstands- und heute Aufsichtsratschef von Volkswagen. Er soll am 9. Januar als Zeuge gehört werden. Doch schon vor diesem Auftritt dreht sich in dem Prozess vor dem Landgericht Braunschweig plötzlich alles um die Frage, welche Rolle der Autopatriarch in einem der spektakulärsten Wirtschaftsskandale der Nachkriegsgeschichte gespielt hat.

Wusste Piëch vom „System VW“? War dieser Auswuchs der Mitbestimmung, also die Praxis, Betriebsräte mit Prostituierten und Sonderboni gefügig zu machen, womöglich sogar ein „System Piëch“? Genau diese Version haben die Rechtsanwälte der beiden Beschuldigten schon angedeutet, bevor der Prozess überhaupt offiziell begonnen hatte. Ihre Mandanten, so das Kalkül der Staranwälte Johann Schwenn und Wolfgang Kubicki, können schlecht wegen Untreue und Anstiftung dazu verurteilt werden, wenn ihnen alle Begünstigungen mit Wissen und ausdrücklicher Billigung der Konzernspitze gewährt worden sind.

Dünne Faktenlage

An diesem Montag nun konnten Volkert-Anwalt Schwenn und Gebauers Rechtsbeistand Kubicki jubilieren. Denn auch die Staatsanwaltschaft hält es inzwischen nicht mehr für völlig ausgeschlossen, dass die Wolfsburger VW-Spitze es hingenommen haben könnte, dass Arbeitnehmervertreter von Europas größtem Autohersteller regelrecht „gekauft“ worden sind. „Das wäre zugunsten der Angeklagten anzuerkennen“, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Tacke hinsichtlich der möglichen Strafzumessung und trug dem Gericht neue Erkenntnisse seiner Ermittlungsbehörde vor.
Kaum hatte Tacke die Ausführungen beendet, sprach Schwenn bereits von „einer ganz erheblichen Verantwortungsverschiebung nach oben“. Was er damit wohl ausdrücken wollte: Nicht Volkert ist der Schuldige, sondern Piëch. Ähnlich argumentierte Kubicki: „Das belegt, dass mein Mandant immer im Auftrag und mit vollem Wissen des gesamten Vorstandes gehandelt hat.“
War Gebauer, der Organisator der Lustreisen des Betriebsrates und der Spezialist für Rotlicht-Kontakte im Volkswagen-Reich, also ein kleines Rädchen, das mit Piëchs Duldung in Bewegung gesetzt wurde? Für diese von der Verteidigung immer wieder angedeutete Behauptung gibt es bislang freilich keinerlei handfesten Beweis.
Die Staatsanwaltschaft wiederum geht lediglich einer Vermutung nach, die einen Anfangsverdacht begründen könnte. Danach sollen dem ehemaligen VW-Finanzvorstand Bruno Adelt Unregelmäßigkeiten in den Spesenabrechnungen von 1997 bis 2002 für die besonderen Usancen der Betriebsratsarbeit aufgefallen sein. Davon soll er umgehend Piëch in Kenntnis gesetzt haben. Die Folge sei eine Überprüfung des Schmiergeld-Kontos „1860 Vorstand diverse“ gewesen.
Soweit Vermutungen der Staatsanwaltschaft, die sich dabei allerdings nur auf eine einzige Quelle stützen kann: einen Journalisten, der sich wiederum auf einen namentlich nicht bekannten Informanten beruft. Genügt das, um einen der prominentesten Wirtschaftskapitäne Deutschlands in einer öffentlichen Verhandlung derart ins Zwielicht zu rücken, wie das nun in Braunschweig geschehen ist?
var activeTabs = ["video"]; //activeTabs startupRichmedia(activeTabs,document.location.hash); Im Hauptquartier von Volkswagen ist man hellauf empört. Es sei definitiv falsch, dass das Konto „1860 Vorstand diverse“ überprüft worden sei, bevor der Skandal publik geworden sei, sagte ein Sprecher. Weder der Konzern noch der damalige Vorstandsvorsitzende hätten Kenntnis von den Veruntreuungen gehabt. „Das ist rufschädigend“, erklärte der Sprecher, Volkswagen erwäge deshalb, Strafanzeige wegen Verleumdung zu stellen.
Piëch selbst hatte bereits früher bei einer Befragung durch Staatsanwälte erklärt, er habe keine Kenntnis davon gehabt, dass Vertrauensspesen für Bordellbesuche und sonstiges verwendet worden seien. Auch von den Sonderbonuszahlungen an Betriebsratschef Volkert, der vom VW-Konzern bis zu 690.000 Euro im Jahr erhielt, sei er nicht informiert gewesen.

Bisher kein Verfahren

Trotz dieser Darlegungen besteht die Staatsanwaltschaft darauf, Ex-Finanzvorstand Adelt in den Zeugenstand zu rufen. Neben ihm muss wohl auch Rupert Stadler, heute Audi-Chef und von 1997 bis Ende 2002 Leiter des Generalsekretariats des damaligen VW-Chefs Piëch, vor Gericht auftreten. Ebenfalls auf einen Auftritt vorbereiten muss sich der ehemalige Finanzmanager Rudbert Reisch. VW-Chefkontrolleur Piëch wiederum muss voraussichtlich unter Eid aussagen. Einen entsprechenden Antrag will Gebauer-Anwalt Kubicki stellen.
Schlagworte

Landgerichtssprecher Ingo Groß betont allerdings, anders als es die öffentliche Aufregung nach dem Vortrag der Staatsanwaltschaft vermuten lasse, stehe nicht Piëch im Mittelpunkt des laufenden Verfahrens. Beschuldigte seien vielmehr Klaus Volkert und Klaus-Joachim Gebauer. Der eine muss sich wegen Anstiftung zur Untreue in 48 Fällen und wegen Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz verantworten. Dem anderen werden von der Anklage Untreue in 40 Fällen vorgeworfen.

Gegen Piëch hingegen ist bislang nicht einmal ein Ermittlungsverfahren anhängig, wie Oberstaatsanwalt Tacke auf Anfrage sagt: „Derzeit nein.“
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Sonntag, 25. november 2007
Die Deutsche Bahn bietet der Lokführergewerkschaft GDL zur Lösung des monatelangen Tarifkonflikts nun bis zu 13 Prozent mehr Geld und einen eigenständigen Tarifvertrag mit Bedingungen an.

Das sieht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa das neue Angebot des Konzerns vor, das die GDL-Spitze an diesem Montag bewerten will, um über die Aufnahme von Verhandlungen zu entscheiden. Die Bahn offeriert demnach einen «eigenständigen Tarifvertrag für Lokomotivführer», der sich jedoch «konflikt- und widerspruchsfrei» in das gesamte Tarifwerk einfügen solle. Dies war ein Kernpunkt des Kompromisspapiers der Vermittler Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf, das Bahn und GDL bereits Ende August unterzeichnet hatten.

Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte am Samstag dem ZDF: «Wir werden die Tarifeinheit in der DB nicht verhandeln.» Das Prinzip «gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das kann man nicht aufgeben.» Mehdorn bestätigte, dass der GDL «Lohnerhöhungen zwischen acht und 13 Prozent» angeboten würden.

Auf der Einkommensseite enthält das Angebot nach dpa-Informationen im einzelnen Verbesserungen von mindestens acht Prozent. Die Tabellenentgelte sollen demnach um 4,5 Prozent steigen, dazu kommen weitere Erhöhungen durch Verbesserungen der Entgeltstruktur sowie bei Zulagen. Darüber hinaus könnten durch zusätzliche bezahlte Mehrarbeit am Ende bis zu 13 Prozent mehr Geld zusammenkommen. Ein Bahnsprecher bekräftigte am Samstag die Verhandlungsbereitschaft der Bahn.

Das neue Angebot hatte die GDL am vergangenen Mittwoch erhalten, nachdem sich Bahnchef Hartmut Mehdorn und der GDL-Vorsitzende Manfred Schell zu einem Spitzengespräch getroffen hatten. Die GDL hatte dann angekündigt, das Angebot von Hauptvorstand und Tarifkommission prüfen zu lassen. An diesem Montag will Schell in Berlin die Entscheidung über das weitere Vorgehen bekanntgeben. Sollte sich die GDL für den Beginn verbindlicher Verhandlungen aussprechen, wird währenddessen nicht gestreikt. Andernfalls droht ein erneuter Arbeitskampf.

Der GDL-Bezirkschef in Berlin-Sachsen-Brandenburg, Hans-Joachim Kernchen, lehnte ein Abrücken vom Ziel eines eigenständigen Tarifvertrags strikt ab. Er werde keiner Vereinbarung zustimmen, die diesen zentralen Punkt außen vor lasse, sagte er der dpa. Dabei sei Eigenständigkeit klar definiert. «Wir bestimmen über Arbeitszeit und Entgelt für das Fahrpersonal in Zukunft alleine.» Kernchen betonte, es gebe entsprechende Beschlüsse. «Ich sehe überhaupt keine Veranlassung von dieser Beschlusslage abzurücken, auch nicht unter der Maßgabe, wenn man uns mit Geld "zuschmeißen" sollte.»

Der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, äußerte sich skeptisch zu den Verständigungschancen zwischen Bahn und GDL. «Die GDL-Führung würde niemals fünf Tage lang ein Angebot prüfen, wenn es ohne Substanz wäre», sagte Hansen dem «Tagesspiegel». «Meine Befürchtung ist aber, dass die GDL noch eigenständigere Regeln will und die Verhandlungen am Ende daran scheitern werden.» Er bekräftigte, die parallel begonnenen eigenen Verhandlungen mit der Bahn über bessere Entgeltsysteme müssten rasch fortgesetzt werden. Auch Transnet könne sich Ende Januar aus der Friedenspflicht befreien und zu Streiks aufrufen.

Die GDL hatte zuletzt mindestens zehn Prozent mehr Geld sowie eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit verlangt und dafür mehrfach Streiks im bundesweiten Güter- und Personenverkehr organisiert. Über die Frage, wie die Kompromisslinie des Vermittlungspapiers von Ende August - «eigenständiger Tarifvertrag» eingegliedert in das gesamte Tarifgefüge - konkret umzusetzen wäre, herrscht bisher Unklarheit.




 
von TFI-Digital
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